Gehirn & Gedicht, Genie & Gemeinplatz

Raoul Schrott hat sein jüngstes Buch mit einen kompetenten Partner verfasst, macht aber weiter wie bisher

SEBASTIAN KIEFER | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Raoul Schrott kommt gerne mit Pauken und Trompeten auf den Markt. Die "Ilias" seriös zu übersetzen - dazu reicht heute ein Gelehrtenleben kaum noch aus. Schrott erledigte das en passant. Er krempelte lust- und schwungvoll die Ärmel hoch und richtete den Text 2008 sinnparaphrasierend und locker holpernd für ein Publikum ein, das mit dem Rumpfdeutsch der Massenmedien und dem metrischen Feingefühl der Popindustrie sozialisiert wurde.

Ärmel hoch und durch!

Dabei hielt er sich nicht lange mit sophistischen Kunstfragen etwa danach auf, wie Homers komplex durchkonstruierte Kunstsprache als Kunstsprache wiederholbar sein könnte in einer Zeit, in der auf der einen Seite niemand mehr an göttliche Helden glaubt und ein "hohes" Sprechen allenfalls museal sein kann, wir auf der anderen Seite sehr viel mehr über unser Bewusstsein wissen und gleichzeitig über eine immense Zahl von gleichrangigen Idiomen verfügen.

Stattdessen verkündete ein begleitendes dickleibiges Traktat über "Homers Heimat"


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