Mit dem Schrotgewehr auf die Schnappschildkröte

Mit seinem neu übersetzten "Bullet Park" hat John Cheever einen ebenso irrsinnigen wie komischen Vorstadtroman verfasst

KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Hinterm weißen Lattenzaun lauert der Abgrund. Nicht erst seit Filmen wie "Blue Velvet" oder "American Beauty" wissen wir, dass die Vorstadt ein Biotop des Wahnsinns ist, der Garten, in dem die Psychosen und Perversionen blühen. Eine Hermeneutik des Verdachts, die längst schon die glühendsten Apologeten der Kinderäugigkeit erfasst hat - man denke an André Hellers "Misstraue der Idylle" -, lässt uns just dort, wo die frisch gewaschene Wäsche unschuldig im Wind flattert, den Schauplatz eines Blutbads vermuten.

Das war auch für John Cheever (1912-1982) nicht wirklich neu, denn als "Bullet Park" 1969 herauskam, war Richard Yates' illusionslose Abrechnung mit Suburbia schon acht Jahre alt: In "Zeiten des Aufruhrs" hatte Cheevers um 14 Jahre jüngerer Kollege den verhängnisvollen Zusammenhang von Hausfrauendasein, Ehebruch und legeren Trinksitten am Beispiel der Wheelers vorgeführt.

Der schonungslos entlarvende Blick auf die Vorstadt ist bereits Bestandteil des Repertoires und wird von


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