Kritik

Im Raster einer tropisch blühenden Moderne

Lexikon | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Lang ist die Liste modernistischer Bauten, die bildende Künstler in den letzten Jahren hochleben ließen. Zu den spannenderen Kapiteln dieser Verliebtheit in die Gestaltungsjuwelen der Nachkriegszeit zählen oft außereuropäische Architekturen. Die aus Brasilien stammende Inés Lombardi würdigt mit ihrer Schau "Past Present - Close and Distant“ die Moderne ihres Heimatlandes, hat den bewunderten Leistungen der Vergangenheit aber selbst nicht allzu viel hinzuzufügen.

In Fotoarbeiten geht Lombardi den Gartenanlagen des Künstlers Roberto Burle Marx (1909-1994) nach, der in Brasilien die moderne Landschaftsarchitektur einführte. Interessanterweise studierte Burle Marx die Vegetation seines Landes erstmals im botanischen Garten in Berlin. Samen solcher Pflanzen, die bis zu Marx’ Entwürfen als gartenuntauglicher Wildwuchs betrachtet wurden, versammelt Lombardi in einer Vitrine. Diese Anordnung erinnert freilich auch an die wissenschaftlichen Expeditionen, die Europäer einst in die Regionen um São Paulo führten. Die Fotos zeigen Ansichten des historischen Gutshaus Fazenda Vargem Grande und der Residencia Olivio Gomes, die Rino Levi Ende der 40er-Jahre entworfen hat. Mit Nahaufnahmen von Pflanzen und Baudetails streicht die Künstlerin die Spannung zwischen Wildnis und gezähmter Natur hervor, die Burle Marx beschäftigte. Die Bedeutung von Abstraktion wird anhand eines Gobelins und einer Kachelwand deutlich, die der auch als Maler tätige Landschaftsarchitekt entworfen hat. Die farbig bemalten Wände der Ausstellung verweisen auf die konkrete Kunst Brasiliens. Wenig erhellend fällt Lombardis Video mit einem schwarz-weißen Pixelbild aus, mit dem sie die unterschiedlichen Lichtqualitäten der gezeigten Architekturen unterstreichen will. NS

Secession, bis 15.5.


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