Neu im Kino

Knurren, Knarren, Glauben im Grauen: "Das Ritual“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Fünf Monate nach dem hinterfotzigen Mockumentary "The Last Exorcism“ tritt nun Mikael Hafströms "Das Ritual“ als geradliniger Hollywood-Austreibungsschocker an und provoziert Vergleiche mit einem alten Klassiker: "Der Exorzist“ kontrastierte 1973 die Archaik katholischer Bräuche mit einer heutigen Welt aus verschwitzten Joggingsweatern, verstopften U-Bahnen und verkorksten Familien; am Ende blieb lastende Ungewissheit.

Auch "Das Ritual“ kontrastiert vatikanische Folklore mit einer Gegenwart, in der ein Novize "Cool!“ sagt und im Sichtbeton-Konvent die Einschulung ins Austreiben per Powerpoint erfolgt. Am Ende bleibt lastende Gewissheit: kein doppelter Schluss, keine Relativierung, nur die Erfahrung einer "Berufung“ - ein im heutigen Horrorfilm fast obszönes Justament.

Wie hier ein Zweifler durch Grauen zum Glauben gelangt (und wir mit ihm erschauern sollen), ist so reaktionär angelegt - da kann man froh sein, dass es so daneben inszeniert ist. In einer römischen Hinterhofdeko aus dem Plunderfundus des Josefstadt-Theaters kriegt ein Austreibungsanfänger vom Old-School-Exorzisten eine Lebenslehre um die andere gewischt.

Anthony Hopkins rezitiert aus seinem Repertoire an Hannibal-Lecter-Aufgüssen, und im Montage-Getöse von Trauma-Flashes und inneren Stimmen geht es irgendwie oft um Nägel: "god’s fingernails scratching“ als Schicksalsmetapher, ein Albtraum von ungepflegten Fingernägeln, eine Schwangere, die schwarze Nägel erbricht. Es knarrt die Tür, knurrt der Dämon; das Kreuz hängt verkehrt, und wir sind bekehrt.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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