Neu im Kino

Die wahre Geschichte der "Betty Anne Waters“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Wenn zu Beginn die Kamera sich langsam einem verwahrlosten Trailer-Home nähert, dessen Tür im Wind klappert, weiß man: Hier ist Furchtbares geschehen. Die Gewalttätigkeit des White Trash. Die Beweislast und die Zeugenaussagen sind erdrückend, und so muss Kenny Waters (Sam Rockwell) wegen Mordes ins Gefängnis. Zum Glück gibt es in den 80er-Jahren in Massachusetts keine Todesstrafe, und so kann seine Schwester Betty Anne ihr Versprechen wahrmachen: Mit einem Jusstudium und einer Neuaufnahme des Falls will sie Kennys Unschuld beweisen.

"Betty Anne Waters“ basiert auf einer wahren Begebenheit und skizziert einen Präzedenzfall: Nach der Anerkennung der DNA-Analyse als Beweismittel vor Gericht wurden in den USA über 250 Delinquenten freigesprochen, auch Kenny Waters wurde nach 18 Jahren im März 2001 entlassen. Dass sich Schauspielerregisseur Tony Goldwyn in seiner filmischen Aufarbeitung des Falls ganz auf Hilary Swank als unbeirrbare Streiterin konzentriert, die ihrem Ziel auch Ehemann, Kinder und Beruf hintanstellt, ist verständlich, aber schade.

Während ihr Kampf gegen das Urteil der Justiz und das Vorurteil der Gesellschaft auch zur dramaturgisch zermürbenden Sisyphosarbeit wird, bleiben die wahren Ursachen für das exemplarische Fehlurteil weitgehend unberücksichtigt. Dieses reduziert der Film nämlich auf die Machenschaften einer einzelnen Polizistin, während er den sozialen Hintergrund der Waters-Geschwister mittels Rückblenden in deren Kindheit nicht zu erklären vermag. Hier bleibt alles auf einer persönlichen Ebene, weshalb am Ende auch das plötzliche Medieninteresse an Kenny Waters irritiert. Dafür passt ausnahmsweise einmal der deutsche Verleihtitel besser als der englische, "Conviction“.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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