Neu im Kino

Go South, Old Man! Saftige Komik in "Alles erlaubt“

Lexikon | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Es hört nie auf, das Gfrett mit dem Leib und seinen Leidenschaften; aber die Bedingungen des Gfretts ändern sich. Für das, was am Körper historisch und hysterisch ist, zeigen die Brüder Bobby & Peter Farrelly in "Hall Pass - Alles erlaubt“ viel Gespür, so wie in ihren Regieerfolgen "Dumb and Dumber“ (1994) und "Something About Mary“ (1998).

Zwei Paare um die 40 geben einander Urlaub von der Monogamie; doch statt sich endlich sexuell auszutoben, kehren alle weitgehend underfucked und geläutert ins Eheglück zurück. Eine remarriage comedy also, die in bester Hollywood-Manier nach guten (nicht bloß mythischen) Gründen für fixe Partnerschaft sucht. Eine Einsicht dabei lautet: Das Verbot des Seitensprungs hat seinen Sinn; es tröstet zumal Männlein über ihre Unfähigkeit zum Seitensprung hinweg. Denn der Leib ist nicht nur ständige Gier, sondern ebenso Last und Makel. Körpersäfte, für deren Bildpräsenz die Farrelly-Komik notorisch ist, fließen auch im Milieu von Babyfon, Heim-Humidor und, öh, Latte. Man will sich selbst spüren und beschwört "creative juices“; doch wenn sich äußert, was man fühlt, stellt das die Leute bloß, so wie einst Ben Stillers eingezwickte Hoden in Marys Klo. Wo und wie einer wichst, weiß heute auch die Polizei; ein Niesen kann die Fliesen im Bad braun sprenkeln.

Bunt ist die Welt des endlos sich ausfaltenden, ausdünstenden US-Bürgertums; ihre Hässlichkeit lassen die Farrellys als so normal erscheinen wie die Vielfalt ihrer Styles, Ethnien, Körper und Redeweisen. In einem tollen Cast aus Typen und Farrelly-Veteranen brilliert Owen Wilson; wir hören "The Best of Times“ von Styx und erfahren, was fake chow beim going South ist. Sich das auf Deutsch anzuschauen, wäre ein Fehler; ebenso, den Abspann nicht auszusitzen, denn: Es hört nie auf. DR

Dezeit in den Kinos (OF im Artis)


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