Buch der Stunde

Der Geburtstag einer gekränkten Nation

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Der italienische Staat begeht seinen 150. Geburtstag. Am 17. März 1861 rief Viktor Emanuel II. in Turin das Königreich Italien aus. Zum Feiern ist der Nation freilich nicht zumute. Die Regierungspartei Lega Nord möchte einen eigenen norditalienischen Staat. Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht demnächst wegen des Umgangs mit einer minderjährigen Prostituierten vor Gericht. Er erklärte den 17. März per Dekret zum Feiertag, sonst wäre die nationale Rückbesinnung wohl noch spärlicher ausgefallen.

Der Münchner Zeithistoriker Hans Woller legt einen fundierten Überblick über die italienische Geschichte im 20. Jahrhundert vor. Ein Resümee dieses Gangs durch zahllose politische Auseinandersetzungen könnte lauten: Es war nie anders. Und: Eine grüblerische Nation ist besser als eine stolze. Benito Mussolini rief in den 1930er-Jahren das Neue Römische Imperium aus. Der Preis waren durch das italienische Militär angerichtete Genozide in Libyen und Äthiopien.

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