Theater Kritik

"Kaufleute von Graz“: Monotonie trotz Mambo

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Der Tanz hat sich einen fixen Platz in den Arbeiten des Theater im Bahnhof erobert. Auch in Pia Hierzeggers neuem Stück "Die Kaufleute von Graz“, einer Koproduktion mit dem Schauspielhaus, kommt den Tanzsequenzen zentrale Bedeutung zu. Formal strukturieren sie jede der drei als Folgen einer (TV-)Serie angelegten Episoden des Stücks. Und inhaltlich symbolisieren sie den Versuch der neun Protagonisten, reichlich altmodische Grazer Traditionskaufleute, so etwas wie Gemeinschaftsgefühl untereinander aufkommen zu lassen. Allwöchentlich treffen sich der Pelzhändler, die Erben der Juweliersdynastie, die Inhaberin der "Süßstoff“-Zuckerlgeschäfte in einer Privatwohnung, klagen über die Parkplatzmisere in der Innenstadt, essen gemeinsam, planen unsinnige Marketingaktionen gegen die bösen Handelsketten und tanzen zwischendurch einen Mambo oder einen Paso Doble.

Schon nach wenigen Szenen aber ahnt der Zuseher: Das geht sich nicht aus, da hilft kein Gesellschaftstanz. Zu stark ausgeprägt sind die Eigeninteressen der Kaufleute, zu tief sitzen - seit Generationen - die Konflikte, die nie ausgesprochen werden, das Geschehen aber grundieren: Arisierung jüdischen Vermögens, Veruntreuung, Ehebruch, Scheidung - all das hätte auch Stoff zur Dramatisierung hergegeben. Hierzegger aber wollte eine Gruppe in Stasis zeigen. Neben dem Gefühl der Zeitlosigkeit stellt sich da trotz pointierter Dialoge leider auch Langeweile ein, nur selten gelingt es der Regie (Helmut Köpping), das streng gebaute Stück aufzulockern. Am besten dort, wo sie Tanzelemente zur Verfremdung der geraden Handlung einsetzt, etwa wenn Juweliererbe Alfred (Jan Thümer) in einem bodennahen Solo die Bühne leerfegt oder der Fleischer (Leon Ulrich) seine Innovationsstrategie mit einem Stretching-Solo hinterlegt. "Tanzen wir, sonst sind wir verloren!“, heißt es am Ende. An diesem Abend ist das doppelt wahr.

Schauspielhaus Probebühne, Sa 20.00


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