Kunst Kritik

Kunst als Rahmen der Filmkunst

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Das leidige Genre "Rahmenprogramm“ wird bei der diesjährigen Diagonale mit zwei Ausstellungen bestritten. "Brauchen wir einen Unfall?“, fragte sich die Filmkünstlerin Sabine Marte in ihrem Trailer für das Filmfestival und wurde vom Kunsthaus Graz deshalb mit Clemens Hollerer zusammengespannt, der ihre aus Hollywoodsequenzen, Sprachfetzen, Geräuschen, Überblendungen und selbstreflexiven Videoaufnahmen komponierten Filme auch prompt in eine Installation aus lackierten Holzlatten kleidete, die im weiten Space 02 zwar stellenweise ein wenig lose oder peripher wirkt, in ihrer provisorischen Baustellen-Anmutung aber eigentlich ganz gut zum Thema passt. Und um die Leinwände herum verdichten sich die Lattengeflechte zu fast barocker Theatralik, ragen weiß lackiert in die Projektion hinein oder formen, als ineinanderverschachtelte Zitate minimalistischen Kuben-Fetischismus, einen Irrgarten, der den Raum neu erfahrbar macht.

Derweil endet im Kunstverein mit Nadim Vardag die dreijährige Kooperation mit dem Filmfestival. Wie in den vergangenen beiden Ausgaben steht auch dieses Mal die Deklination des Mediums Kino unter bildkünstlerischen Vorzeichen. Vardag versteht es, die Bedingungen des Kino auf ihre Quintessenz zu bringen, erkennt die skulpturalen Qualitäten einer eher schlapp vom Gerüst hängenden Leinwand, spielt in feinsten Grauabstufungen mit dem Gegensatz von Hell und Dunkel, projiziert Wasserspiegelungen, die er einem frühen Horrorfilm entnommen hat und die bereits Projektionen sind, bevor er, im letzten Raum, den Betrachter selbst auf einer Aluminiumwand zur Projektion werden lässt. In beiden Ausstellungen werden Illusion und Desillusion nahe aneinander gebracht.

Kunsthaus Graz, bis 15.5.

Kunstverein Medienturm, bis 30.4.


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