Kunst Kritik

Nachdenken über ein Land im Umbruch

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Was in Albanien an Propaganda immer noch aufzuarbeiten, wie lebendig Enver Hoxha nach wie vor in den Köpfen der älteren Bevölkerung ist, welche Generationenkonflikte sich daraus ergeben, wie man sich in Albanien das Paradies westlicher Wohlstandsgesellschaft vorstellt und wohin die Sehnsüchte der jungen Albaner konkret gehen, verdeutlicht die Ausstellung "Rewind Play Forward. Positionen zu Albanien heute“, eine Kooperation von Akademie Graz und AndräKunst im Kunstraum nextAndrä. Das auf einem Artist-in-Residence-Programm von Tirana Institute of Contemporary Art (T.I.C.A.), Rotor und Zeta Galerie basierende Projekt versammelt Arbeiten der jungen albanischen Künstler Ledia Kostandini und Enkelejd Zonja und Arbeiten von Marlene Hausegger, die ihr Stipendium im November des Vorjahres nach Tirana führte: gerade als die Visa-Liberalisierung neue Freiheiten erlaubte und Reiseträume keimen ließ, die Hausegger in Porträtskizzen junger Leute eingefangen hat. Währenddessen verdichtet Enkelejd Zonja die diffizile Gemengelage aus Kommunismus-Nostalgie und westlich orientierter Jugendkultur im Rückgriff auf Caravaggios Bild des ungläubigen Thomas und stellt mit einer goldenen Badewanne, über der eine Friedenstaube kreist, die Heilige Kuh kapitalistischer Wunschträume in den Raum. Eine Fotoarbeit Kostandinis zeigt einen Mauerdurchbruch, dessen Umriss den Grenzen Albaniens folgt. Das muss hierzulande, wo Wienerschnitzel immer noch zur Abbildung der "Heimat“ in Form gebracht werden, allein schon Bände sprechen.

Kunstraum nextAndrä, bis 23.4.


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