Kommentar  

Ein Elefant im Porzellanladen: Peter Menasses Nazisager

Rechter Rand

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Peter Menasse, dem Prokuristen des Jüdischen Museums Wien, passierte auf seiner Facebook-Seite ein schwerer verbaler Ausrutscher: Er bedachte die Direktoren jüdischer Museen mit dem SS-Wahlspruch "Meine Ehre heißt Treue“ (siehe auch S. 35). Ein Mitglied der Freiheitlichen Partei würde die Erregung einkalkulieren, die diese strafrechtlich verfolgbare Äußerung auszulösen vermag. Nicht so der Antifaschist Menasse, der das Zitat zerknirscht revidierte. War nicht so gemeint.

Bevor Menasse von der Direktorin Danielle Spera ins Museum geholt worden war, war er Mitinhaber einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit. Anstatt zu versuchen, seine durch ihr ungeschicktes Agieren beim Renovieren des Museums in Bedrängnis geratene Chefin aus den Schlagzeilen zu bringen, verfestigt er durch diesen Sager den Eindruck, im Palais Eskeles seien zwei Elefanten mit dem Putzen einer Porzellansammlung beschäftigt.

Kaum zu fassen ist seine Behauptung, er habe nicht gewusst, dass seine Facebook-Äußerungen nicht nur von den Freunden gelesen werden können. Freunde und Blogwarte sind in den pseudosozialen Netzwerken Komplizen. In Unternehmen gelten bsoffene Gschichten im Gesichtsbuch als Kündigungsgrund.

Rechte Tabubrecher à la Thilo Sarrazin jammern über den linken Mainstream, der öffentliche Auseinandersetzungen zensuriere. Ein falsches Wort, und die Nazikeule würde ausgepackt. Die Stadt Wien entließ wegen eines schlechten Nazischerzes sogar einen Straßenbahnchauffeur. Im Fall Menasse lässt sie nun Milde walten, die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum reklamierend. Der Volksempfänger Facebook hat jene längst aufgehoben.


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