Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Prominenten Menschen beim Absturz zuzuschauen, das macht Freude. Dass viele Leute sich gerne am Leiden anderer delektieren, wissen wir schon seit dem Gladiatorengemetzel im Circus Maximus. Doch jetzt treiben diverse Privatsender-Tratschmagazine den ohnehin von seinen inneren Dämonen getriebenen Schauspieler Charlie Sheen auf eine derart gnadenlose Art durch die Medienmanege, dass einen der heilige Zorn überkommt. RTL exklusiv und Co zeigen Sheen genüsslich in allen Stadien von Illuminiertheit: bei verrückten Interviews, beim Saufen, beim Herumfuchteln mit Macheten - haha, der verwöhnte Hollywood-Prinz führt sich aber wild auf! Sie ignorieren geflissentlich, dass sie hier keinen koksenden Hedonisten vor der Kamera haben, sondern einen schwerkranken Menschen, der an seinen Süchten zu krepieren droht. Crack ist nicht lustig, langsames öffentliches Sterben ist nicht amüsant. Aber dafür gibt’s dann ja diese verheulten Herz-Schmerz-Geschichten - falls Sheen das alles nicht überlebt.


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