Schuld und Bühne eines alternden Zauberkünstlers

Feuilleton | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Sylvain Chomets liebevolle Jacques-Tati-Hommage "Der Illusionist“ erzählt nur die halbe Geschichte

Aufdeckerstory: Gerhard Midding

Er war nicht besonders fingerfertig. Schaut man sich seinen Monsieur Hulot etwas genauer an, entdeckt man ein gestisches Zögern, das Berührungsangst verrät. Seit Jacques Tati sich bei den Dreharbeiten zu "Die Ferien des M. Hulot“ die Hände verbrannte, spielten diese in seinen Pantomimen nur noch eine zweitrangige Rolle. Die Sorge, nicht geschickt genug zu sein, hielt ihn womöglich auch davon ab, ein Drehbuch zu realisieren, aus dem sein gewiss persönlichster Film geworden wäre.

In "Der Illusionist“ hätte Tati einen alternden Magier gespielt, dessen Kunststücke aus der Mode gekommen sind. Er findet nur noch Engagements auf immer kleineren, schäbigeren Bühnen. Einzig ein junges Mädchen aus der Provinz erliegt noch seinem Zauber.

Der Film wäre eine wehmütige Reverenz an das untergehende Milieu des Varieté geworden, in dem Tati seine Karriere begann.


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