Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Die Sessel und Seelen der Selbstständigen

Oh ja, wer eine Couch und mehrere Kästen und Regale für einen guten Freund in den vierten Stock in einem Haus in einer unfreundlichen Gegend ohne Parkplätze trägt, kann bestätigen, dass das Leben kein Gschnas ist, sondern vielmehr ein unerbittlicher Möbelwagen, aus dem jeder sich in schweißtreibender Stiegenarbeit sein Teil herausfischen und nach oben wuchten muss. Es geht hier um eine Kultur des Mittuns: Nur wenn ein jeder hingreift, sind irgendwann keine Möbel mehr da, nur ein paar ergonomische Bürostühle, mit denen Selbstständige sich irgendwann mal was Gutes tun wollten für die Heimarbeit. Laut Studien (!) haben sie trotzdem zu sehr vielen Prozent Rückenprobleme, deshalb ist der 15. März der Tag der Rückengesundheit, er wird jetzt zum 10. Mal begangen und steht unter dem Motto: Der Rücken beginnt im Kopf (wie auch Europa, Mobilität, und gesunde Ernährung, wir kennen das alles). Der Rücken endet kurz vor dem Arsch, und alles, was dazwischen ist, kann schmerzen wie Sau, denn nicht umsonst gilt der Rücken führenden Schmerzexperten auch als Tummelplatz* der Seele. Und weil die Selbstständigen sich selbst die besten und härtesten Vorgesetzten sind, raunzt er der armen Seele ständig zu, dass sie sich tummeln soll, sonst geht es sich nie aus. (*Graz-Bezug)

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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