Fragen Sie Frau Andrea

Sie geht, sie kommen: Saukälte und Hundstage

Kolumnen | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Schröcklich verehrte Comandantina!

Es war so, nämlich saukalt am Wochenende im Seewinkel - es hat auch ein wenig nach Saustall gerochen, aber das tut es überall, wo Kukuruz angebaut wird. Nur: Weshalb gelten ausgerechnet die Borstenviecher als Inbegriff der Kälte? Ein Sternbild der Sau - wie bei den Hundstagen - gibt es ja nicht, oder? Ich bitte um Aufklärung. Danke und hasta la victoria siempre,

Franz Simbürger, per Elektrobrief

Lieber Franz,

es gibt tatsächlich ein Sternbild der Sau, allerdings nicht in unserem Kulturkreis, sondern im Reich der Mitte. Im traditionellen chinesischen Kalender wird jedem der zwölf Erdzweige (Himmelsrichtungen) ein Tier zugeordnet. Nach chinesischer Astrologie wird dem Erdzweig hài im winterlichen zehnten Monat zhú zugeordnet, das Schwein.

Dass sich chinesische Sternwahrsagerei und ihr Benennungssystem bis in den Seewinkel verbreitet hat, ist unwahrscheinlich. Der Namensbestandteil Sau oder Hund kommt bei uns in vielen Schimpfwörtern vor. Diese sollen, damit sie ihre volle Wirkung entfalten, möglichst derb, gleichwohl aber gerade noch aussprechbar sein. Zur Zeit der Konjunktur dieser Scheltworte galten Schweine und Hunde als niedrige und schmutzige Tiere, heute hat "Scheiß“ diese Funktion übernommen. Die Saukälte ist also etwa fluchgleich mit der Scheißkälte. Die pejorativ gebrauchten Bestandteile dienen nur als Verstärker, denn kalt sind ja weder Hund noch Schwein und auch deren feste Körperausscheidungen nicht.

Das Maledictum Sau hat sich mittlerweile so stark abgenützt, dass es gefahrlos auch zur positiven Bewertung verwendet wird, wie das Beispiel "saugut“ zeigt. Der Begriff Hundstage für die heißeste Zeit des Jahres hat allerdings keinen malediktologischen Ursprung. Er bezieht sich auf das Sternbild Canis Major und seinen größten Stern, den Sirius oder Hundsstern, dessen Aufgang und Sichtbarkeit im antiken Rom mit dies caniculares, Hundstage, bezeichnet wurden.

Wegen der Eigenbewegung des Sternbildes Canis Major und der Präzession der Erde haben sich die Hundstage und die heißeste Zeit des Jahres seit damals um etwa vier Wochen voneinander entfernt. Der Aufgang des Sirius kann heute erst ab dem 30. August beobachtet werden. Hundsgemein vom Himmel.


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