Ein bisschen Sinn gefällig?

Extra | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Du wirst sterben. Zumindest das ist sicher. Dieses Magazin hast du wahrscheinlich nicht aufgeschlagen, um ausgerechnet daran erinnert zu werden. Aber es kann nicht schaden, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Denn was hast du schon als dieses bisschen Leben? Und was tust du damit? Du studierst irgendwas, was dich interessiert. Oder auch nicht (mehr). Ursprünglich hast du dich vielleicht für BWL inskribiert, um mal eine Konzertagentur für Künstler aus Afrika zu gründen oder so was Ähnliches. Irgendwann bist du fertig, und dann sind doch nur Jobs im Controlling zu haben.

Ist doch egal, redest du dir ein. Dann erreichst du eben nicht das Gipfelkreuz der Maslow‘schen Bedürfnispyramide. Denn für ein Säugetier hast du es ohnehin schon weit geschafft: Essen. Wohnung. Sex. Ein bisschen Kohle. Als Studi bist du priviligiert. Glauben die Nicht-Studierenden. Die für dich und uns zahlen. Aber trotzdem hört das Jucken an dieser Stelle, die du trotz Verrenkungen nicht erreichen kannst, nicht auf. Verdammt.

Die Suche nach Zufriedenheit und Selbstverwirklichung ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft. Du fragst dich als Wohlstandsbürger immer häufiger nach dem Aufwachen, was das alles für einen Sinn hat. Midlifecrisis mit Anfang zwanzig. Kennen wir gut. Deine Bildung gibt dir keinen Sinn, deine Ferialjobs nicht, das wenige Geld sowieso nicht. Spaß haben macht auch keinen Sinn. Jedenfalls nicht ständig. Außerdem hast du nicht ständig Spaß, oder?

Also alles noch mal auf Null stellen. Stell dir vor, morgen wäre wirklich dein letzter Tag. Wenn du zurückblickst: Hat es sich dafür schon gelohnt? Hast du was rausgeholt aus dem Geschenk des Lebens? Außer James Bond leben wir alle nur einmal. Und später wirst du das am meisten bereuen, was du nicht gemacht hast. Sagen uns kluge Leute, die das Pensionsalter erreicht haben. Und uns um unsere Jugend beneiden.


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