Rezensionen

Extra | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Von der Kunst, über Depressionen und schwabbelnde Hoden zu schreiben.

Puddingsex "Sein dunkler Hodensack schwabbelte rythmisch wie ein Stück Wackelpudding.“ Mit solchen bildhaften Beschreibungen illustriert die deutsche Jungautorin "Kira Licht“ in ihrem Buch "UNISEX“ vor allem eines: Dass es verdammt schwer ist, über Sex zu schreiben, ohne ins Lächerliche, Eklige oder Banale abzugleiten. Den Stoff für ihre Buch - so heißt es - hätte die "Expertin für das wilde Campusleben“ (Zitat Klappentext) bei anderen Studierenden gesammelt, die in Beiträgen wie "Fiek disch!“ oder "Wie viele Männer sind okay?“ von ihren Liebesabenteuern erzählen. Von Beitrag zu Beitrag schwankt der Sammelband dann zwischen schmalzigem Akademiker-Groschenroman und pseudoliterarischer Wichsvorlage. Wild geht anders.

"UNISEX“ von Kira Licht; erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2010.

Hosentaschen-couch Die 144 Tipps, die US-Autorin Therese Borchard in ihren Ratgeber "Der Therapeut für die Hosentasche“ gepackt hat, hat sie - wie könnte es anders sein - in der Therapie gelernt: Borchard leidet selbst unter Depressionen und hat unterschiedlichste Behandlungen und Selbsthilfegruppen ausprobiert. Ob ihre gesammelten Weisheiten, die man alle schon mal irgendwo gehört hat, in emotionalen Notfällen tatsächlich den Therapeuten ersetzen können, sei dahingestellt. Aber wenn das Büchlein mit seinen Alltagsweisheiten dem einen oder anderen Selbsthilfe-Anhänger hilft, sich ein wenig besser zu fühlen, dann kann man auch mal ganz unzynisch sagen: Gute Sache, lassen wir okay gehen.

"Der Therapeut für die Hosentasche“ von Therese Borchard; in dt. Übersetzung erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2011.


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