Die Pflege des Ich

Extra | aus FALTER 11/11 vom 16.03.2011

Elisabeth von Samsonow unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste in Wien philosophische und historische Anthropologie der Kunst. Sie ist eine Expertin in Sachen Ich.

Interview: Christian Bretter

Seit wann existiert das Ich als Begriff, wie wir ihn heute kennen?

Elisabeth von Samsonow: Seit die Philosophen das Potenzial dieses Pronomens entdeckt haben. Also etwa zeitgleich mit der Erweiterung des Umfangs dieses Pronomens in Formeln wie "L’état c’est moi“. Die Zartbesaiteteren verlegten sich auf das Man (groß oder klein), die an ihrer Individualität Interessierten eben auf das Ich. Zunächst erlebte das Ich durch den Aufstieg des Bürgertums eine Demokratisierung, so dass das ursprünglich aristokratische, wenn nicht theokratische Ich jedermanns Besitz werden konnte. Dann erst wurde dieser Umstand des allgemeinen Ich-Besitzes im 18. und 19.Jahrhunderts philosophische Chefsache.

Warum war das Ich in der Renaissance plötzlich möglich oder nötig?

Es ging vor allem darum, Verantwortung


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