Neu im Kino

Hommage an Jacques Tati: "Der Illusionist“

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Wenn ein Komiker die Entbehrlichkeit seiner eigenen Kunst reflektiert, sind Sentimentalität und Nostalgie meist unvermeidlich. Die Melancholie ist jedoch stets der Königsweg: Sie fällt kein Urteil über das Neue, das die Tradition verdrängt, will nur still die Erinnerung an das Vergangene bewahren.

Jacques Tati war ein Meister darin, Umbrüche zu kommentieren, ohne seine Stimme zu erheben. Die Idee zu "Der Illusionist“ kam ihm zu der Zeit, als Chaplin mit "Rampenlicht“ seinen Abschied von der Welt des Varietés feierte. Beide Drehbücher handeln von einer wechselseitigen Adoption: Ein Künstler, dessen große Zeit vorüber ist, findet in der Begegnung mit einer jungen Frau neuen Lebensmut. Bei Tati ist sie vieldeutiger und zugleich unverfänglicher.

Der französische Animationskünstler Sylvain Chomet, der das nachgelassene Drehbuch nun adaptiert hat, trifft präzis und großzügig den Tonfall Tatis. Die Zeichnung der Figuren - seinen Titelhelden nennt er ehrfürchtig mit dem Geburtsnamen


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