Kunst Tipp

Das leidige Siedeln, kunstvoll festgehalten

Ulrich Tragatschnig | Steiermark | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Vor zwei Jahren erhielt Norbert Trummer den Auftrag, die anstehende Übersiedlung des Kulturzentrums bei den Minoriten bildlich festzuhalten. So saß er 2009 zwischen Übersiedlungskartons, um das Unwiederbringliche aus sehr persönlicher Sicht zu dokumentieren. Und er machte kurze Ausflüge in die nähere Umgebung, etwa in den Minoritensaal, hielt dort die Engelsputti im Stiegenaufgang ebenso fest wie einen Teil der Deckenfresken. Er verewigte den heiligen Johannes Nepomuk im Kreuzgang des Klosters, fokussierte die Hand einer Schaufensterpuppe.

Zu all dem verwendet Trummer aber keine Kamera, sondern Zeichenblatt und Buntstifte. Trummer fixiert Details, die ihn ansprechen, und hält sie ruhig und geduldig fest. Schließlich geht es ihm um eine langsame Annäherung an das Motiv, um einen stillen Dialog mit den abzubildenden Dingen. Trotzdem formuliert Trummer keine nostalgische Antithese zum Fotografischen, sondern spielt mit ihm. "Standortwechsel“ gründet auf einer Serie von zwölf Zeichnungen. Und die sind Fotografien gar nicht unähnlich: klein im Format, eng im Ausschnitt, überraschend kühn im Blickwinkel. Als wären es Schnappschüsse. Und er treibt die innere Widersprüchlichkeit, die man in der minutiösen Behandlung wie zufällig gefundener Blickpunkte und Motive erkennen kann, noch weiter, wenn er die Zeichnungen in Malereien vervielfältigt und anschließend die Ergebnisse in einem Filmloop aneinanderreiht. Zur sympathischen Musik von der schwimmer flirren nun die nie ganz gleich kopierten Dinge auf der Leinwand: verewigt als Lebendige.

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 25.3.


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