Kommentar

Immer Ärger mit dem Personal: Das Versagen des Josef Pröll

ÖVP-Bünde

Falter & Meinung | Julia Ortner | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Dass Ernst Strasser ein schwarzer Problembär ist, hat jeder gewusst. Nicht erst, seitdem die blamablen "Strasser-Mails“ 2008 bekannt geworden sind (siehe Seite 14). Nur Josef Pröll hat die Tatsachen ignoriert und den Hardliner aus Niederösterreich zur Nummer eins der ÖVP im EU-Parlament gemacht. Strasser ist mit seinen Verfehlungen sicher Prölls schlimmster personeller Fehlgriff. Aber nicht der einzige.

Da wären ungeschickte Besetzungen wie Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, die gerne mit ihrem eigenen Blaulicht auf der Busspur fahren würde und als ehemalige Bawag-Richterin alles andere als gut ausschaut; da wäre die nach Wien entsandte Christine Marek, die die Bürgerlichen in der Bundeshauptstadt mit einem skurrilen Law-and-Order-Wahlkampf zur Minderheit gemacht hat; da wären Strategen aus den schwarz-blauen Regierungszeiten, die Parteikollegen wie Marek mit ihren super Tipps in den politischen Ruin treiben.

Josef Prölls ewiger Ärger mit dem Personal - das ist in der Volkspartei nicht gottgewollt, sondern eine logische Konsequenz ihrer alten, überkommenen Strukturen. Wer was in der Partei wird, bestimmt nicht primär der Chef, sondern seine Unterhäuptlinge in den Bünden. So kann es dann auch passieren, dass eine Osttiroler Gemeinderätin über Nacht Familienstaatssekretärin wird, weil eben ihr Bund und ihr Land dran sind. Pröll hat es nicht geschafft, die Herren der Bünde in die Schranken zu weisen und seine ÖVP damit zu modernisieren. Ein Versagen, das ihm Strasser nun schmerzlich vor Augen führt.

Als Parteimanager ist der Finanzminister und Vizekanzler sowieso überfordert. Drei Jobs sind halt zumindest einer zu viel.


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