In der Klassengesellschaft

Politik | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Was passiert an der vordersten Bildungsfront? Drei Wochen in einer neuen Wiener Mittelschule

Reportage: Barbara Tóth

Da ist er, der Neue“, sagt der Lehrer Franz Koschier und zeigt in die Ecke des alten Turnsaals. Dort sitzt ein blonder Bub mit dem Rücken zur Sprossenwand, die Beine angewinkelt, die Ellbogen auf den Knien, die Arme verschränkt, jede Körperfaser in doppelter Abwehrhaltung. Die Direktorin taxiert ihn freundlich und nickt. Raffael (Name von der Redaktion geändert), dieser Name fiel zuletzt öfters in den Lehrerzimmergesprächen. Der Erstklassler hat mehr als einen Schulwechsel hinter sich, zuletzt wurde er von seinem älteren Bruder zu Hause unterrichtet, ein halbes Jahr lang. Er weiß, was das griechische Wort "Helios“ bedeutet, quält sich aber mit den Grundrechnungsarten. Er könnte sehr begabt sein, aber möglicherweise auch genau das Gegenteil. Ein neues Gesicht, eine neue, noch junge Lebensgeschichte, hoffentlich kein neuer "Wanderpokal“. So nennen Lehrer Kinder,

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