Nachgesehen


Barbara Tóth
Politik | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Frederic Morton besucht nach 72 Jahren erstmals sein Kinderzimmer

Wie schrieb Alfred Polgar? "Die Fremde ist nicht Heimat geworden. Aber die Heimat Fremde.“ Frederic Morton kennt dieses Schicksal. 1924 als Fritz Mandelbaum in Wien geboren, konnte er mit seinen Eltern 1939 vor den Nazis nach New York flüchten. Der Stadt seiner Kindheit widmete er einen Roman mit dem Titel "Ewigkeitsgasse“. Der Name ist erfunden, alles andere echt. Schauplatz ist die Thelemanngasse in Hernals, in der sein Vater eine kleine Ordensfabrik und drei Häuser besaß. Mittwoch vergangener Woche konnte Morton erstmals wieder jene 5-Zimmer-Wohnung betreten, die seine Eltern im Jahr 1938 bezogen hatten. Danach wurde sie "arisiert“, Maria Salomon, die einzog, starb vergangenes Jahr, 100 Jahre alt. Mortons Kinderzimmer ist jetzt eine Baustelle, das Objekt wird saniert. "Unheimlich ist das“, sagt Morton und blickt aus dem Fenster. "Früher haben wir immer zu unserer Oma rübergerufen, quer über den Hof.“


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