Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Schwermut überkommt mich jedes Mal, wenn ich den traurigen Kids bei "Saturday Night Fever“ zuschaue (ATV, Di, 21.15 Uhr). Auch die neue Staffel der Dokusoap will uns zeigen, wie Österreichs Jugendliche so leben, wie sie lieben, wie sie leiden. In der Praxis heißt das: Man sieht junge Leute in allen Stadien der Trunkenheit, wie sie saufen, wie sie speiben, wie sie sich vorm jeweils anderen Geschlecht blamieren. Eine Generation, die in tiefer Sinnlosigkeit gefangen scheint - hineingehalten in das Nichts, wie Martin Heidegger das ausgedrückt hätte. Sie beim Herumstolpern in diesem Dasein zu beobachten, macht nur noch Menschen mit ungutem Charakter voyeuristische Freude. Die Kids haben vielfach keine Gegenwart außerhalb der Vorstadtdisco, außerhalb des Haarverlängerungsstudios; sie haben keine Zukunft abseits eines ungeliebten Jobs, abseits der Arbeitslosigkeit. Sie haben schon mit 17 keine Illusionen und keine Sehnsüchte mehr. Das ideale Wählerreservoir für einen wie Heinz-Christian Strache.


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