Enthusiasmuskolumne

Es muss nicht immer Kabarett sein

Diesmal: Die lustigste ORF-Serie der Welt der Woche

Wolfgang Kralicek | Feuilleton | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Eigentlich war nicht mehr damit zu rechnen, dass in Österreich noch jemals eine Serie produziert würde, die wirklich komisch ist. An dieser Aufgabe waren zuletzt auch Spitzenkräfte wie Michael Niavarani ("Ex“), Roland Düringer ("Die Gipfelzipfler“) und Andreas Vitásek ("Vitásek“) gescheitert; von Humorkatastrophen wie "Burgenland ist überall“ ganz zu schweigen.

Und jetzt das: Seit zwei Wochen läuft auf ORF eins, donnerstags nach "Willkommen Österreich“, die Serie "Schlawiner“ - und sie ist komisch! Weder Form ("Mockumentary“) noch Inhalt (Schwänke aus dem Leben einer Wiener Clique) sind sonderlich originell, aber wer sagt, dass witzige Serien unbedingt Innovationspreise gewinnen müssen? Gute Dialoge und Typen genügen vollkommen.

In "Schlawiner“ gibt es etwa den zwänglerischen Walter, der spießige Poloshirts trägt und im Café bei einem kleinen Mokka 20 Zeitungen liest. Oder Maia und Manu, die hinter der studentisch-lockeren Fassade ganz konventionelle Pärchenkämpfe austragen. Oder die hinreißend hantige Deutsche Gundi, die ihren Schlappschwanz von Gatten knechtet. Oder den Kaffeehausphilosophen Engelbert, der mit imponierender Impertinenz hirnrissige Theorien erläutert.

Im Ensemble befinden sich neben Angelika Niedetzky, Michael Ostrowski, Gregor Seberg und Gerald Votava auch weniger bekannte Gesichter (Alexander Pschill, Christian Dolezal). Dass keine Kabarettisten mitspielen, ist eher ein Vorteil. Die wirken nämlich auch vor der Kamera oft so, als würden sie auf die Lacher im Saal warten. Und sie spielen alles auf Pointe, während "Schlawiner“ mehr auf Situationskomik setzt und es insgesamt angenehm lässig angeht.

Verantwortlich dafür ist Regisseur und Autor Paul Harather ("Indien“), von dem man lange nichts gehört hat. Mit "Schlawiner“ ist ihm ein überraschendes Comeback und kein kleines Kunststück gelungen: ein "Kaisermühlen-Blues“ für die Generation Umhängetasche. Na bitte, geht doch.


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