Gérard mit der großen Nase verliebt sich in Catherine - im Film mit der Vase

Feuilleton | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Filmkritik: Joachim Schätz

Historienkino ist zuerst einmal eine Frage der richtigen Wandtapete. In dieser Hinsicht war auf François Ozon immer Verlass, egal ob der Franzose ein frühes Fassbinder-Stück verfilmte ("Tropfen auf heiße Steine“, 2000) oder halbironisch durchs England des frühen 20. Jahrhunderts galoppierte ("Angel“, 2007). Sein jüngster Kostümfilm heißt programmatisch wie ein Stück Nippes (ein "Potiche“ ist eine Porzellanvase), und die Retro-Maskerade fängt schon mit den Lettern des Vorspanns an: Der rundliche Schriftsatz in leicht ausgewaschenem Gelb-auf-Rot stimmt auf die 70er ein, noch bevor "Frühling 1977“ als Zeitpunkt der Handlung fixiert wird.

Der eingedeutschte Filmtitel "Das Schmuckstück“ bezieht sich indes weder auf die zeitgerecht outrierte Innenausstattung noch auf die Frisur, mit der Nebendarsteller Jérémie Renier Seventies-Beau Michael York verstörend ähnelt, sondern auf Catherine Deneuve in der Hauptrolle der Fabrikantengattin Suzanne Pujol.


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