Stadtrand 

Bärlauch aus dem Park: Die Stadt gehört mir!

Urbanismuskolumne


Matthias Dusini
Stadtleben | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Wenn Sie diese Stadtnotiz lesen, ist es vielleicht schon zu spät. Denn die Bärlauchtriebe sind nur wenige Tage, nachdem sie aus dem Frühlingsboden gesprießt sind, auch wirklich erntereif. Bald schon haben sie sich in ein übelriechendes Unkraut verwandelt, das man nicht mehr in den Suppentopf schmeißen möchte. Der Bärlauch schreckt vor nichts zurück und besiedelt auch innerstädtische Gebiete wie den Prater oder den Augarten. Aber auch der Städter und die Städterin schrecken vor nichts zurück und ernten den Bärlauch dort, wo man sich nicht ohne weiteres ausbreiten würde, auf den Hundeauslaufflächen der städtischen Parks. Wird schon nichts passiert sein, denken die, die sich über die zarten Pflänzchen beugen. Doch auch wenn die Pfuihürde überwunden ist, fühlen sie sich nicht ganz wohl bei der Sache, stecken sie doch gerade ein Gemeingut in die Tasche. Als würde man in den Stadtpark Holz sammeln gehen. Oder sich aus dem Tulpenbeet einen Strauß abschneiden. Dabei bedeutet eine Bärlauchsuppe aus dem Prater nur: Ein Löffel Stadt gehört mir.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige