Soziales: Bei Behinderten wird am meisten gespart

Steiermark | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

Nirgendwo im Sozialbereich wird so viel gekürzt wie bei den Behinderten. Zu den 21,82 Millionen, die das Land streichen will, kommen noch einmal 14,5 Millionen von den Gemeinden. Die Kosten für die Behindertenhilfe seien "explodiert“, heißt es zur Begründung. Tatsächlich sind sie in den letzten sieben Jahren um stolze 141 Prozent gestiegen. Das hat einen klaren Grund: 2004 wurden mit einem vorbildlichen Behindertengesetz auf einen Schlag etliche mobile Hilfen eingeführt, die es vorher nicht gab. Die Folge: Behinderte konnten aus Wohnheimen ausziehen und eine eigene Wohnung beziehen. Das machte ihr Leben angenehmer und ersparte dem Land Kosten. Aber von denen, die mit den neuen mobilen Hilfen den Schritt zur eigenen Wohnung wagen konnten, hatten die meisten vorher in der Familie gelebt. Das war für das Land erheblich billiger. Zusatzkosten verursachten auch die neu eingeführten Entlastungsstunden für Familien mit behindertem Kind und die "Assistenten“, die Behinderte etwa bei der Arbeit, in der Ausbildung oder beim Gang ins Schwimmbad begleiten.

Kürzen will Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (SPÖ) nun vor allem die Stunden, die Betreuer nicht direkt beim Behinderten sind, sondern etwa für Kontakte mit Ämtern, dem Arzt, der Kasse, der Schule oder dem Arbeitgeber aufwenden. "Stabilisierung des Umfelds“ nennt sich das, und es fällt jetzt größtenteils weg. Um auf die 21,82 Millionen zu kommen, müssen die Ämter mobile Hilfen aber auch viel restriktiver verteilen als im Moment. Da mag Schrittwieser die Karten nicht offenlegen. Was bewilligt werde, sei Sache der "erstinstanzlichen Behörde“, so ein Sprecher, und der wolle man "nicht vorgreifen“. Die Verbände rechnen damit, dass sie rund 1000 Stellen streichen müssen.

Unklar ist noch, ob es für behinderte Kinder und Jugendliche noch eine Sommerbetreuung geben wird. Streicht das Land sie weg, wird pro Kind ein Elternteil aus dem Berufsleben gedrängt - denn neun Wochen Sommerferien lassen sich nicht überbrücken. nmn


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