Wie Richard Wilhelmer vom Lieben und Leiden der jungen Leute erzählt

Steiermark | aus FALTER 12/11 vom 23.03.2011

 Adam und Anna sind seit Ewigkeiten zusammen. Da trifft Adam (Robert Stadlober) seinen besten Freund Konrad (David Winter) wieder und will mit ihm auf Urlaub fahren. Anna findet den Vorschlag super und packt ihre Reisetasche. Mit ins Ferienhaus kommt auch Carmen, die Konrad gefällt. Clever entwickelt Wilhelmer in "Adams Ende“ ein Drama, das realistisch den (Beziehungs-)Alltag von Mittzwanzigern einfängt, erzählerische Dichte aufbaut, um in den finalen zwanzig Minuten Richtung Psychothriller abzubiegen. Die Lieben und Leiden der jungen Leute im Westen von heute dirigieren das Kammerspiel. Berlin drängt sich als Schauplatz nicht in den Vordergrund, die obligatorische Clubszene streicht Wilhelmer komplett, und die Ausstattung achtet penibel darauf, die Protagonisten nicht zu hip aussehen zu lassen. In seiner Entstehung und in seinem Inhalt entspräche der Film aber sehr der Stadt, sagt Wilhelmer im Gespräch.

Im Innersten richten sich Adam und Anna in ihrer nach außen hin perfekten Beziehung zu Grunde. Süßigkeiten versteckt Anna in der Spüle, statt Sex hat sie Lust auf Pasta. Und nach wem sich Adam sehnt, zeigt das Display seiner Kamera. Wie Marie Kreutzers Debüt "Die Vaterlosen“ konzentriert sich "Adams Ende“ auf private Welten, Rio Reisers Stimme hört man in beiden Filmen von der Liebe singen. Premiere hatte "Adams Ende“ beim Max-Ophüls-Festival, in Graz läuft der Film im Wettbewerb.

Entrückt ist erneut Wilhelmers Kurzfilm "Strange Love“, der in Graz im Experimentalfilmprogramm zu sehen ist. Wirkte "The Golden Foretaste of Heaven“ noch wie ein Showreel für Hollywood, so beschränkt sich der Filmemacher diesmal auf einen Höhepunkt: "Love ist like nature“, spricht der Experimental- und Dokufilmer James Benning im Off, Schwenk gegen den Himmel, und nach den Sirenen fliegen Kampfjets über des Cowboys Land. mm


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige