Ausstellung Kritik

Von glänzendem Stahl zu Tempeln aus Beton

Lexikon | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Es waren die Urheberrechtsprozesse, die ihm sein berühmtestes Möbel vergällten. Nachdem sowohl Mart Stam als auch Mies van der Rohe erfolgreich Anspruch auf die Erfindung des Freischwingers erhoben hatten, wandte sich Marcel Breuer in den 30er-Jahren vom Werkstoff Stahlrohr ab und begann stattdessen Möbel aus Aluminium zu entwerfen. Dass er seinen Formen und Konstruktionsideen aber auch in anderen Materialien treu blieb, zeigt nun die Schau "Marcel Breuer - Design und Architektur“ vom Vitra Design Museum. Die Möbelentwürfe sind in vier Kapitel geordnet: In der Sektion "Holz“ wird der Einfluss von De Stijl deutlich. Mit nur 23 Jahren entwarf Breuer seinen Stuhl "Wassily“ am Bauhaus, der für die Wohnung Kandinskys gedacht war. Neben Möbeln aus der Zeit belegen Fotos die Popularität von Stahlrohr als Inbegriff moderner Wohnkultur. Eine Aufnahme zeigt zwei Frauen in Turnkleidung in einem Turnsaal mit Stahlrohrausstattung. Breuers virtuose Alu-Möbel waren für den Außenraum gedacht; sehr interessant auch die leichten Stühle aus gebogenem Schichtholz.

Der zweite Teil der Ausstellung vermittelt Breuers wenig bekannte Tätigkeit als Architekt ab 1937 in den USA, wo er eben nicht nur das großartige Whitney Museum in New York baute. Die Präsentation konzentriert sich hier auf Breuers Einfamilienhäuser - er schuf rund 60 -, und seine späteren Kirchenbauten aus Sichtbeton. Die in Europa entwickelte Modernität fand in den boomenden USA ihre konkrete Umsetzung. Aber Breuers Würfelbauten führen keine Beweise für Reduktionismus, sondern boten ihren Bauherren behagliche Wohnflächen. Mit Beton wurde der jüdische Architekt zum Baukünstler, der riesige, skulptural anmutende Sakralbauten für die katholische Kirche realisierte. NS

Hofmobiliendepot, bis 3.7.


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