Ohren auf  

Die Strokes und andere Indie-Kandidaten

Sammelkritik

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Die Zeichen im Vorfeld deuteten darauf hin, dass The Strokes mit ihrem Comebackalbum "Angles“ (Sony) den Geist ihres epochalen Debüts aus dem Jahr 2001 beschwören würden. Was ja auch seine Logik hätte: Der Fan wäre glücklich, und ihre Künstleregos sollten die New Yorker Rockbuben ohnedies durch ihre diversen Soloprojekte befriedigt haben.

Die erste Single weckte tatsächlich Erinnerungen an "Is This It“, und zumindest formal passt auch beim Album alles, dauern die zehn neuen Songs doch kaum länger als eine halbe Stunde. Die Freude währt aber nur kurz. "Angles“ hat gute Momente, wirkt insgesamt aber seltsam ziellos, unfertig und zerfahren. Mag sein, dass die Strokes immer noch an jener Überambitioniertheit laborieren, die bereits die Alben Nummer zwei und drei prägte. Oder aber sie haben den Spaß an der Band endgültig verloren, und "Angles“ ist einfach das Dokument dieses Zerfalls.

Überzeugend wie eh und je klingt dagegen das britisch-amerikanische Duo The Kills. Bekannt geworden durch explosiven, gleichzeitig aber auch unverschämt groovenden Rockminimalismus mit Bluesanleihen, drosseln sie auf "Blood Pressures“ (Dominio) immer wieder das Tempo, lassen es unter der Oberfläche aber konsequent brodeln. Mittendrin schlagen Jamie Hince und Alison Mosshart mit einer Klavierballade samt Streichereinsatz auch einmal ganz andere Töne an. Das überrascht, funktioniert aber ebenfalls sehr gut.

Anders als "Bitten“ (Urban Cow), das neuen Album der britischen Wahlberliner Chikinki. Ihre Mischung aus forschem Dancerock und gepflegtem Synthiepop klingt zwar in sich schlüssig, zeichnet sich letztlich aber vor allem dadurch aus, von Anfang bis Ende recht unauffällig dahinzuplätschern.

Weit mehr Spaß bereitet das gutgelaunte schwedische Bandkollektiv I’m From Barcelona, das auf "Forever Today“ (Virgin) einmal mehr hymnischen Indiefolkpop zwischen Sanftmütigkeit und dem gemeinsamen Tanz ins Glück spielt und damit keinesfalls den schlechtesten Soundtrack zum Frühlingsbeginn liefert.


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