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Wollen Sie Wien in den Hundedreck ziehen, Frau Sima?

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Kluger | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Die Schneekugel ist ein beliebtes Wiener Souvenir. Kein Wunder, dass sie auf neuen Plakaten der Stadt prangt. Doch unter der Glaskugel sieht man nicht den Stephansdom oder das Riesenrad, sondern einen Haufen Hundescheiße. "Bau keinen Mist“, mahnt die MA 48. Ist das nicht total ekelhaft?

Nein, findet Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Sie hat die Werbefirma Unique mit der neuen Kampagne beauftragt. "Eklig ist, wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin und einer von uns in Hundehaufen steigt“, sagt Sima. Die Hundstrümmerlplakate würden den sozialen Druck auf Tierbesitzer erhöhen. Wer den Kot seines Vierbeiners liegen lässt, dem droht eine Geldstrafe. In den letzten Jahren habe sich am Wiener Trottoir viel getan, sagt Sima: "Aber wir wollen so werden wie New York. Da gibt es überhaupt keinen Hundekot.“

Die neue Kampagne sorgt allerdings für heftige Diskussionen. Die Opposition wittert eine Verschwendung von Steuergeldern und eine Verunglimpfung von Wiener Werten, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache fordert sogar Simas Rücktritt wegen dieser "ausnehmend dümmlichen Werbekampagne“. Die Stadträtin denkt nicht an einen Abgang: "Der FPÖ fehlt offenbar der Schmäh.“

Manche kritisieren ein weiteres Detail der Werbung. "Wien, Wien, nur Du allein hast es in der Hand“, lautet der Slogan. Dabei stammt das Lied "Wien, Wien nur Du allein“ vom Austrofaschisten Rudolf Sieczynski. "Für uns ist der Spruch eine Liebeserklärung an Wien, er wird mit Peter Alexander assoziiert“, sagt Sima.

Aus Sicht der Werber wurde zumindest eines erreicht: Die neue Sauberkeitskampagne ist Gesprächsthema. Sogar die Basler Zeitung berichtete vom "Gackerl“ in der Schneekugel und befand, die Stadtregierung trete "in einen Fettnapf - pardon, Hundekot“.


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