Die Lehre des Saint-Schau-zweimal-hin

Feuilleton | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Mit seiner Erzählung "Der Große Fall“ setzt Peter Handke seine Ethik des Blickes fort

Exegese: Klaus Nüchtern

Literatur ist das Gegenteil von voreilig“, notiert Peter Handke am 31. Mai 2010. Man kann diese als Feststellung getarnte Forderung ebenso unterschreiben wie die meisten der apodiktischen ("Die Liebe kann nichts falsch machen“), gewitzten ("Es ist nicht alles falsch, was glänzt“), banalen ("Man staunt viel zu wenig“) oder unbezweifelbaren ("John Cheever weiß mehr als der Papst“) Aphorismen und Ausrufe, die im soeben erschienenen Jahrbuch von literatur/a 1 abgedruckt sind.

Keine Frage, Peter Handke hängt einem emphatischen Literaturbegriff an. Sein Schreiben soll nicht bloß ein unverwechselbarer Sound in der Kakophonie des Kulturkonsums sein, es soll unser Leben ändern, wenn nicht gar retten - wie denn Handkes aktuellem Helden etwa zur Mitte seines Weges zwischen Bett und Stadt auch einschießt: "Helfen allein genügte nicht; Helfen allein konnte eine Art von Verrat


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