Nüchtern betrachtet

Der Frühling und ich: Wir arbeiten noch aneinander

Feuilleton | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Eigentlich bin ich ja ein Herbsttyp, und am besten finde ich jene Zeit, in der sich die Menschen streiten, ob noch Spätsommer oder schon Frühherbst herrscht und darob so in Rage geraten, dass es hin und wieder ein Paar Ohrfeigen setzt oder eine mit spitzen Mandelsplittern bestreute Schokoeiskugel mutwillig ins Dekolleté über einer cremefarbenen Seidenbluse versenkt wird, während unsereins biergartenwärts radelt, sich aber schon auch ein lindblaues Leinenjöppchen für den Abend eingesteckt hat, weil: Man weiß ja nie!

Die Freude über die ersten echten Frühlingstage ist aber womöglich noch größer: Wenn die Frauen die fichtenfarbenen Wollrollkragenpullis gegen die cremefarbenen Seidenblusen austauschen und Specht und Spechtin eine gute Zeit haben, dann treibt es auch mich hinaus unter meinesgleichen. Dann streife ich meine neuen Laufschuhe über und schnüre elastisch wie eine frisch frisierte


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