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Lassen wir’s gut sein

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Sein von Schein zu scheiden war schon einmal einfacher. Auch in der Steiermark. Zurzeit aber schaffen es die Reformpartner der Cocooning-Koalition, noch das härteste Sparpaket kuschelweich zu reden. Und die 10.000 Demonstranten, die gegen die Kürzungen auf die Straße gingen? Gut möglich, ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer würde wieder von "Wohlstandsverwahrlosung“ sprechen, wie er das jüngst getan hat, um Kritiker der Scheinmoral zu zeihen.

Sein oder Schein? Ein einfacheres Beispiel: der Titel "City of Design“, den die Unesco unlängst der Stadt Graz zuerkannte. Im Vorfeld hatten ihn die Titelverteidiger - der Kreativwirtschaftsvernetzer CIS und der Wirtschaftslandesrat - als bloßen Kiesel auf dem steinigen Weg zu einer wirklich lebenswerten Stadt bezeichnet. Am 2. April wird nun schon die bloße Verleihung gefeiert wie ein Gipfelsieg. Mit Straßenfest, Konzerten und tollen Sonderangeboten. Beim Seidl, verrät das CIS-Programm, gibt es an diesem Tag die "Krachlederne 2011 zum Sonderpreis“. Dazu noch die Transparente, die neuerdings Rathaus, Oper und Schloßberg schmücken und die Grazer von den Vorzügen des Daseins als Designstädter überzeugen sollen. Gutes Design? Hm, geht so. Das Transparent auf der Oper fordert, was es selbst entbehrt (Inspiration), das am Rathaus hat wenigstens ein Mindestmaß an Inhalt (einen Präpositionsfehler).

Aber lassen wir’s gut sein. Feiern darf natürlich sein. Ein bisserl mehr Tiefgang freilich auch. Der aber steht ohnehin ganz oben auf der Agenda der CIS, die ja selbst auch mehr will als bloße Oberflächenpolitur. Nur völlig Wohlstandsverwahrloste würden das anders sehen.


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