Selbstversuch

Der Fleck ist tatsächlich schweizförmig

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Der Verbindungsoffizier sagt, dann soll ich halt etwas über den neuen Schnürlsamthut vom Langen schreiben. Aber erstens ist der nicht neu und zweitens ist das, Entschuldigung, nicht abendfüllend. Was ich tatsächlich gerne schreiben würde, wäre etwas, für das ich nicht beschimpft werde. Weil ich feststelle, dass ich das nicht mehr so gut wegstecke wie früher, auch wenn ich vor zwei Wochen geschrieben habe, dass Sie mich ruhig hassen sollen. Wenn ich dann aber so maximal gehasst werde wie von Leser C.S., gehe ich, ich gebe es zu, ein wie eine Primel. Weil man sich fragt: Warum hasst der einen so? Was hat man dem getan, außer etwas geschrieben, über das der einfach drüberblättern könnte und seine Seele bliebe gesund?

Immerhin hasst der mich mit Namen und Mailadresse, das zeugt von Rückgrat und ist insofern eh okay: Anders als die Trotteln, die irgendwo ins Internet hineinschreiben, sie gehen nicht mehr in ein Lokal, in dem sie mich haben sitzen sehen, wie mir die Wirtin erzählt hat. Da fragt man sich schon, was die Leute für ein Problem haben. Und ob man vielleicht der Antichrist des Kolumnismus ist. Oder wann man denen ins Essen gespuckt oder auf den Sessel gewischelt hat, ich weiß auch nicht. Aber bitte, ich werde hier jetzt auch nicht auf wehleidig herumjammern, das gehört schließlich zu meinem Job wie dreckige Fingernägel zum Beruf des Motorradmechanikers. Da muss man durch, und erstens sind die meisten Leute ja nett zu einem, und zweitens: Wofür gibt es Alkohol. Eben.

Ach ja. Wo es hinführt, wenn man aufhört, auf die heilende Wirkung maßvollen Alkoholkonsums zu vertrauen, hat sich letzte Woche wieder gezeigt. Beziehungsweise zeigt es sich immer noch; linker Hand. Auf deren Rücken rollt sich jetzt rund um einen großen, pinkfarbenen und - doch, tatsächlich! - schweizförmigen Fleck verbrannte braune Haut auf. Es sieht nicht besonders schön aus und handelt sich um die Folge einer Gesünder-leben-Verletzung, die ich mir vorletzten Sonntag zuzog, als ich mich mit Buch und Laptop und einer Kanne frischgebrühtem Hagebuttentee brav ins Bett zum "Tatort“ zurückzog und mir, ich weiß nicht, wie, den Tee über die Hand goss. Und das dann, man ist eben nicht wehleidig, nicht ernst nahm und nur ein paar Minuten unters kalte Wasser hielt. Eine halbe Stunde Minimum!, schimpfte die Doktor Urban, wie ich am Mittwoch, als das immer schiarcher aussah, rot-lila und blasig, und auch wirklich wehtat, meine Hand in ihrer Ordination vorzeigte. Mindestens eine halbe Stunde ins oder unters kalte Wasser!, und das nun ist brauchbares Allgemeinwissen, das ich an dieser Stelle gerne weitergebe. Die Urban machte mir dann dick Salbe drauf und einen schönen Verband rundherum, und jetzt heilt das allmählich. Und ich erzähle das deshalb, weil die Geschichte eine Moral hat. Und zwar die: mit Grünem Veltliner wäre das nicht passiert. So.


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