Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Watte

Kolumnen | Heidi List   | aus FALTER 13/11 vom 30.03.2011

Was Sie nie über Sex wissen wollten: Heidi List antwortet, bevor Sie fragen

Nach einer Grippe fasst man dann noch deren lästige Kinder aus. Also, vom Schnupfen bleibt noch der grausige Wolf vom Schneuzen. Ist der Husten vorbei, tanzen noch die Fieberblasen auf der Lippe.

Diesmal hab ich den Hattrick geknackt: Ich bin des Geruchs- und Geschmackssinns verlustig gegangen, und zwar total. Welt in Watte. Das wird echt unheimlich, wenn man sonst symptomfrei ist. Ich esse Wurstwatte, Obstwatte, Brotwatte. Dazu trinke ich Wattesäfte. Zink soll helfen. Wenn nicht, bin ich angeblich innerhalb von ein paar Monaten suizidgefährdet. Weil der Mensch sich nur in der Geruchswelt gut orientiert. Vor allem zwischenmenschlich. Die Dinger heißen unter anderem Kopuline (!), nimmt die ein Mann an einer Frau wahr, steigert sich sein Testosteron um 150 Prozent. Sie schüren auch die Rivalität unter Frauen. Die meisten produziert frau beim Eisprung. Interessant eigentlich, aber mir ist das alles gerade watte. Ich gondle durch meine neue geschmacklose Welt, hie und da wird mir ein Mann spontan aufreiten oder eine Frau eins überbraten und ich werde wissen, ah, ich habe gerochen.


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