Kritik

Die glorreichen Sieben als Schreck der Fremdenpolizei

Lexikon | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Wie lässt sich Antirassismus künstlerisch verarbeiten? Muss es immer der Tisch mit Info-Ordnern sein? Der für aktivistische Kunst so typische Handapparat fehlt auch in der Schau "Eine Arbeit, die das, was sie reflektiert, nicht los wird“ nicht, die derzeit in der Kunsthalle Exnergasse läuft. Aber die von den Künstlern Petja Dimitrova, Lina Dokuzovi´c, Eduard Freudmann, Can Gülcü und Ivan Jurica kuratierte Ausstellung hält zum Glück mehr als nur Sammlungen von Belastungsmaterial bereit. Denn wie schlimm es in puncto Rassismus hierzulande steht, davon braucht man wohl keinen Wuk-Besucher zu überzeugen.

Dass Kritik und die Produktion von Gegenöffentlichkeit nicht zwangsläufig trocken ausfallen muss, das beweist etwa das Comicheft "Die glorreichen 7“ des Kollektivs MigrafonA, in dem Figuren wie die Bremer Stadtmusikanten zum Asylbeamtenschreck werden. Humorvoll fällt auch Nina Höchtls Fotoroman aus, in dem ein mexikanischer Wrestler die Federkrone des Moctezuma aus Österreich zurückcatchen möchte.

Besonders einige filmische Arbeiten überzeugen durch Eindringlichkeit. Marika Schmiedt, deren Großmutter im KZ Ravensbrück ermordet wurde, geht in "Eine lästige Gesellschaft“ der Verdrängung der NS-Verbrechen an Roma und Sinti nach. Das Video "Uglyville“ von Eduard Freudmann und Ivana Marjanovi´c behandelt die Einzäunung eines Roma-Slums in Belgrad, just zu der Zeit, als Serbien den Vorsitz der europäischen Initiative "Decade of Roma Inclusion“ innehatte. Petja Dimitrovas Film "Blue card for Keti“ schildert die Migrationsgeschichte einer bulgarischen Sängerin, die illegal in Österreich lebt. Am 13. April findet die Podiumsdiskussion zur Frage "Kanak_innenrap als Intervention in migrations-politische Debatten?“ statt. NS

Kunsthalle Exnergasse; bis 20.4.


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