Kritik

Grenzgänger in der Kunst: ohne Schweiß kein Preis

Lexikon | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Geht scho, weiter - du schoffst es!“, tönt es aus einem Rucksack im Kunstraum Niederösterreich. Alja Pirys Soundskulptur "Ermutigung“ macht aber auch die Seufzer, Klage- und Verzweiflungsrufe der Angefeuerten hörbar. Kein Wunder beim Thema der Ausstellung "Extrem“, das seine Ursprünge nicht zuletzt in den (extrem-)sportlichen Interessen von Kurator Michael Goldgruber hat. Der Künstler präsentiert Darstellungen radikaler räumlicher Expansion von 12 Kollegen. Leider bleiben einige Arbeiten zu nahe am Sujet Extremsport oder kommen nicht weit über einen Gag hinaus. Von Alexander Viscio hängt die halblustige Drachenskulptur "Hang gliding with a lazy boy“ an der Decke, die einem Fernsehstuhl Flügel verleiht. Zum Rausch der Tiefe führt Mario Rotts Unterwasservideo "Bloodshift“, das einen Freitaucher beim Hinabgleiten ins unendliche Blau filmt. Auf Klaus Dieter Zimmers Zeichnungen sind Halfpipes für Mountainbikes im Wald zu sehen und er transferiert auch eine Holzschanze in die Galerie. Johanna Kirschs Fotos zeigen die Künstlerin, wie sie nächtens in einem Industriehafen herumturnt; der beabsichtigte Kontrast von Frauenkörper und Maschinenästhetik geht jedoch unter.

Nur wenige Arbeiten lassen den Betrachter abheben, darunter Sebastian Stumpfs aufwendig produzierter Spaziergang durch die Luft: Bei seiner Diaserie unternimmt der 1980 geborene Künstler einen Streifzug durch die Stadt, bei dem er magisch über dem Boden schwebt. In eine meditative Endlosschleife führt das Video "Katharsis“ von Christoph Grill, das immer wieder einen Mann beim Kopfsprung ins Meer und anschließendem Herausklettern zeigt. Als Symbol für zwanghafte Wiederholungstaten erschöpft dieser raffiniert in eine normale Szenerie gefädelte Loop ungemein. NS

Kunstraum Niederösterreich, bis 14.5.


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