Neu im Kino

Working Class Hero: Mark Wahlberg in "The Fighter“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Das Schönste an "The Fighter“ ist, dass er zwar die "wahre“ Geschichte eines Boxers erzählt, aber kein wirklicher Boxerfilm ist. Dass er sich zwar den entscheidenden Stationen einer Karriere - also einer verheerenden Niederlage und einem grandiosen Sieg - widmet, aber dabei den umgekehrten Weg geht: Nicht die Kämpfe im Ring sind die entscheidenden Wende- und Höhepunkte, sondern die unzähligen, alltäglichen in der Arbeiterstadt Lowell in der Nähe von Boston.

Von dort stammt der irischstämmige Micky Ward (Mark Wahlberg), den man zum ersten Mal sieht, wie er für seinen Lebensunterhalt Straßen pflastert. Sein cracksüchtiger Halbbruder Dicky (Christian Bale), der noch immer vom Ruhm zehrt, in besseren Tagen Sugar Ray Leonard besiegt zu haben, vernachlässigt ihn als Trainer; seine kettenrauchende Mutter, die dem mehrköpfigen arbeitslosen Familienclan vorsteht, ist seine lausige Managerin.

Im Grunde erzählt David O. Russell ("Three Kings“) eine von Mickys neuer Freundin Charlene (Amy Adams) ausgelöste Emanzipationsgeschichte, an deren Ende sich der Kämpfer doch wieder seiner Herkunft besinnt ("I want my family“).

Viel interessanter aber ist der fahrige, dynamische Zugang, mit dem Russell gleich mehrere Ebenen durchzieht und diese zusammenhält: die Ringkämpfe, die er immer wieder in Form von Fernsehbildern inszeniert; das Arbeitermilieu, das in einer HBO-Dokumentation über Dicky seinen "realistischen“ Ausdruck findet und der Familie die Augen öffnet; und im Schauspielstil von Christian Bale, der sich rastlos in den Vordergrund bringt und doch nur Luftschläge austeilt. Während Wahlberg stämmig im Hintergrund bleibt und die entscheidenden Treffer landet.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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