Neu im Kino

Schweben & Schweigen: Wenders’ Tanzfilm "Pina“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Chorsingen, Kochen, Tanzen: Von den sozialen Fertigkeiten, die heutige Medienkulturen als ultimativ sinnhaltig propagieren, scheint nur die dritte fürs Kino ergiebig zu sein. Von Burlesque bis Aronofsky, es gibt eine breite Palette neuer Filme mit und über Tanz. Wim Wenders fällt das Verdienst zu, den Trend zum Tanz(film) mit dem zum tiefenstaffelnden Kino zu verbinden: "Pina - Ein Tanzfilm in 3 D“ versteht sich als Feierung von Arbeit und Programm der von 1973 bis zu ihrem Tod 2009 in Wuppertal tätigen Choreografin Pina Bausch.

Wenn man die Darbietung sehniger Körper in seelischer Sehnsucht und die verbalen Weisheiten zur Selbstfindung durch Sichfallenlassen nicht als therapiekulturelle Ideologie, sondern als synästhetischen Ausdruck von Einsamkeit, Schmerz und Balance nimmt, wenn man also "Pina“ nach seinen immanenten Kriterien beurteilt, dann fällt ein Kontrast auf: zwischen der Beschwörung von Präsenz und Gewicht - und der Fernsehdoku-artig straffenden Filminszenierung. Highlights aus Tango-, Fado- und Triphop-Choreografien montiert Wenders alternierend, garniert mit Regieeinfällen (ein Schnitt macht junge Tanzende zu Greisen), etwas Archivmaterial und Interviews, in denen - wie Berliner Himmelsengel - Wuppertaler Company-Mitglieder zur eigenen Off-Stimme versonnen in die Kamera schweigen.

An einen seiner ersten Filme, die im sinnlichkeitsapologetischen Off-Gespräch durchfahrene Stadtwüste von "Drei amerikanische LPs“ (1969), scheint Wenders hier ebenso anzuknüpfen wie an seinen in gebauter Wellness schwelgenden 3-D-Architektur-Clip "If Buildings Could Talk“ von 2010. Mit seinen vor Wuppertals Halden, Hochöfen und Schwebebahnen getanzten Nummern wirkt "Pina“ wie ein Nachtrag zum Ruhrpott-Kulturhauptstadtjahr, abendfüllender Imagefilm zur Selbstneuerfindung einer Industrieruine als Erlebnisstandort.

Ab Fr in den Kinos (2 D im Votiv)


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