Hörbuch der Stunde

"Fahren S’ lieber mit der Straßenbahn“

Lexikon | Anja Hirsch | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Im Vergleich zum klassischen, zynischen, komischen, tragischen Bernhard-Kosmos, den diese frühe, funkelnde Bernhard-Erzählung "Die Mütze“ (1967) in Miniatur enthält, ist die Entstehungsgeschichte zu diesem Hörbuch geradezu charmant: William Mang, teilt der Verlag mit, sei Thomas Bernhard in der Straßenbahnlinie 38 begegnet und habe ihm erzählt, er wolle eine Lesung der "Mütze“ machen - worauf Bernhard erwidert habe: "Junger Mann, die Leute sollen lieber das Buch kaufen, was wollen Sie sich da antun! Schaun S’, die sollen erst einmal meine Bücher lesen, fahren S’ lieber mit der Straßenbahn, das ist doch herrlich, nicht wahr.“ Gut, dass er beim Hinausgehen im Flüsterton noch nachschob: "Von mir aus, lesen S’ die, Mütze‘. Auf Wiederschaun!“

Jetzt liegt die gelesene Mütze endlich als Hörbuch vor. Mangs eigenwillige Diktion, sein innerhalb der Sätze immer wieder eingeschobenes, ratloses Stocken belegt das Getriebene, Gehetzte des monologisierenden Ich-Erzählers


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige