Tanz Kritik

Wenn alle Künstler sind, sind auch alle Tänzer

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Eine luftig-leichte Abhandlung über ein eher schweres Thema - was Tanz denn eigentlich und ganz grundsätzlich sei - ist der zweiten liga für kunst und kultur mit "where is dance in town“ geglückt. Die kurzweilige Performance startet beim Forum Stadtpark, dort stimmen sich Christina Lederhaas - am Dach der öffentlichen Toilette balancierend -, Vera Hagemann, Stefania Kregel und Nadine Puschnigg erst einmal locker auf die Fragestellung ein. Hat nicht schon Einstein gezeigt, dass die Welt ständig in Bewegung ist? Das Blut, das Herz, die Köper? Worin unterscheidet sich Tanz von Alltagsbewegungen - zum Beispiel der Bewohner dieser Stadt? Bloß durch das Bewusstsein "zu tanzen“?

Die Stimmen überlagern einander, werden übertönt vom Lärm der Kinder, Passanten mischen sich unter das "Publikum“, die Welt, kann man sagen, mischt sich da recht zwanglos unter die Kunst. Dann setzen sich die vier Perfomerinnen in Bewegung, zuerst paarweise und Rücken an Rücken, in der Folge einmal aufeinander bezogen, dann wieder jede für sich, geben dem Publikum Geschwindigkeit und Richtung und legen eine lockere Choreografie durch die Grazer Innenstadt aus. Ihre Spannung bezieht die Arbeit dabei aus den ständigen Perspektivenwechseln. Der Tänzerinnen wie der Passanten, des Publikums. Auf Bewegungssequenzen, die man eher dem Tanz oder dem Ballett zuordnete - ein Formationstanz am Schlossbergplatz, ein expressives Solo zwischen Würstelständen am Hauptplatz -, folgen Alltagssituationen: das Warten an einer Haltestelle, das Lesen eines Werbeplakates. Und zwischendurch meint man zu erahnen, wie sich eine Stadt, eine Welt anfühlte, in der derlei Perspektivenwechsel ganz normal wären. Fühlt sich gut an, luftig und leicht.

Forum Stadtpark (Treffpunkt), Do (7.4.), 17.00. Anmeldung: 0660/146 64 29


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