Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Dass das Mädchenzimmer am Montag um halb sieben schon lichtlos sowie mädchen- und männerleer ist, gehört keineswegs zu den redaktionsinternen Selbstverständlichkeiten. Gewiss, dass Christopher "Flash“ Wurmdobler bei einsetzender Dämmerung den Pork-Pie aufsetzt und sein Tagwerk beendet, ist man gewohnt, und dass Matthias "Stealth“ Dusini sich trollt, solange er das Fahrradlicht noch nicht einschalten muss, kennt man auch. Aber dann war da immer noch Julia Ortner, die das Licht im Mädchenzimmer ausmachte. Am Montag war Ortner meist Early Bird & Queen of the Night in Personalunion, versiegelte Fremdtexte mit dem feinen Firnis ihres Redigats, versah Eigenes mit finaler Politur, alberte mit Ingrid "Late Nite“ Brodnig herum und verschwand dann spur- und lautlos in der schwarzen Nacht.

Ortner war stets untadelig gekleidet, sodass sie - sollten es die Umstände erfordern - aus der Redaktion direkt zu einem Staatsempfang, einer Cocktailparty oder einem Drive-by-Shooting hätte gehen können. Sie verfügte über die Eleganz eines freundlichen Ninja-Girls, bloß dass diese in der Regel keine Preise für adäquate Berichterstattung über Menschen mit Behinderung bekommen, der Ortner vom Österreichischen Zivilinvaliden-Verband soeben zugesprochen wurde (nicht ihr erster Preis). Nun wird sich Ortner "beruflich verändern. Vielleicht tut es ihr gut. Uns eher nicht. Ortners Schreibtisch ist leer - bis auf ein paar Poststücke. Sie wird sie nicht mehr öffnen. Die jüngste Ausgabe des Internationalen Fachmagazins für Prävention am Arbeitsplatz - sie wird sie nicht mehr lesen.


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