Meinesgleichen

Falter & Meinung | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Die Nichterwähner. Abschied von Weidemann

Eine Wochenzeitung habe sich mit Ernst Strasser vor Gericht verglichen (demnächst dazu an dieser Stelle mehr), hieß es vor kurzem in der Kronen Zeitung. Höchststrafe! Was ist die Invektive "Bolschewikenblattl“ verglichen mit der maximalen Schande, die der Sumpf zu vergeben hat, der Nichtnennung? Auch Qualitätszeitungen beherrschen das Instrument der Schändung durch Nichterwähnung. Bewährt hat sich darin der Standard, die Presse tat es ihm letzte Woche gleich, als beide über die überaus gut besuchte Gesprächsveranstaltung von Zeit-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo mit Peter Huemer berichteten. Dass der Falter die Stadtgespräche, in deren Rahmen Di Lorenzo auftrat, gemeinsam mit der Arbeiterkammer ausrichtet, blieb unerwähnt.

Wir sind derlei Kummer gewöhnt und wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Dass die Meldung vom Tod des großen Schrift- und Grafikdesigners Kurt Weidemann ebenfalls ohne Nennung des Falter abging, haben wir noch am ehesten verstanden. Dabei ist der Falter unseres bescheidenen Wissens das einzige Printprodukt, das als Grundschrift die nach ihrem Typografen benannte "Weidemann“ verwendet, eine ursprünglich für eine Bibel entworfene Schrift. Kurt Weidemann schuf die Logos für die Deutsche Bahn und für Porsche, er unterrichtete an der Kunstakademie Stuttgart und baute das International Center for the Typographic Arts in New York mit auf. Vergangenen Mittwoch starb Weidemann im Alter von 88 Jahren.


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