Kommentar  

Türkisch zur Matura: wieso sich die FPÖ davor fürchtet

Schule und Sprache

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Es ist eine gute Idee, ach was, es ist sogar eine großartige Idee der Bildungspolitik. Das Unterrichtsministerium arbeitet an der Einführung von Türkisch als Schulfach. Künftig sollen Oberstufenschüler darin auch zur Matura antreten dürfen.

Das fand die Tageszeitung Presse heraus, das Ministerium von Claudia Schmied (SPÖ) bestätigt diese Meldung. Der schwarze Koalitionspartner gibt sich bisher reserviert und rechte Populisten brüllen sofort los. Der sogenannte "Bildungssprecher“ der FPÖ Walter Rosenkranz meint: "Mit dieser Maßnahme werden Parallelgesellschaften geradezu gefördert.“

Die Einzigen, die hier in einer Parallelgesellschaft leben, sind die Freiheitlichen. Es ist eben eine Tatsache, dass in vielen Wiener Schulen die Mehrzahl der Kinder zu Hause eine andere Sprache spricht als Deutsch. Das zu leugnen, darüber zu schimpfen oder diese Kinder gar medial zu mobben, nützt niemandem.

Wer jungen Türken, Serben, Bosniern oder Kroaten den sozialen Aufstieg ermöglichen will, muss ihnen zuallererst muttersprachlichen Unterricht anbieten. Das beweist auch die Linguistik: Wenn Kinder einen selbstsicheren Umgang mit ihrer Muttersprache haben, lernen sie besser Deutsch, zeigt etwa eine Studie der Universität Wien.

Es ist absurd, dass etliche Schüler im Lateinunterricht "Gaudeamus igitur“ singen, aber noch nie ein Wort Türkisch gelernt haben - wo sie doch ständig mit dieser Sprache und Kultur in Kontakt sind. Aber vielleicht ist die FPÖ auch aus diesem Grund gegen einen stärkeren Sprachenunterricht: Weil das gegenseitige Misstrauen abnimmt, wenn man erst einmal ins Gespräch kommt.


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