Wieder gelesen 

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Ökotopia im Hinterhof

Robert Jungk ist einer der Säulenheiligen der deutschsprachigen Ökologiebewegung, die Bücher des alternativen Nobelpreisträgers mit sprichwörtlich gewordenen Titeln wie "Die Zukunft hat schon begonnen“ (1952) oder "Der Atomstaat“ (1977) waren Standardwerke für jeden Grünen. Im 1980 erschienenen Band "Alternatives Leben“ versammeln Jungk und sein Mitherausgeber Erfahrungsberichte, Kurzreportagen und Ermunterungstexte für all jene, die nach einer neuen Lebensform jenseits des "tödlichen Kreislaufs von Wachstum und Profit auf Kosten von Mensch und Natur“ suchen, der "Industriezivilisation“.

Formulierungen wie diese klingen heute ein wenig verstaubt, und logischerweise fehlten den damaligen Akteuren die Möglichkeiten des Internets bei der Verwirklichung des neuen Lebensstils. Sie dachten noch in Kategorien der "Kommunikationszentren“ und "Medienkooperationen“, um "Gegenöffentlichkeit gegenüber den Meinungsmonopolen der bürgerlichen Presse“ herzustellen. Landkommunen, Schäfereigenossenschaften, freie Handwerkskollektive werden vorgestellt, selbstverwaltete Schulen, Wohngemeinschaften in der Stadt und "die größte Windmühle der Welt“, ein 1978 erbautes Windrad nahe Tvind an der dänischen Ostküste.

Die Sehnsüchte der Alternativbewegung und ihr alles umfassender, lebensreformatorischer Anspruch sind ungebrochen aktuell. Nach Ursprünglichkeit, Gemeinschaft und Nähe zur Natur. B. Tóth

Robert Jungk, Norbert R. Müller: Alternatives Leben. Signal, 1980, 208 S., vergriffen


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