Phettbergs Predigtdienst

Die Realität des Seins und die Worte der Bibel

Kolumnen | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Katalin Butterblume bewegte mich zu meinem erstmaligen Besuch im Freud-Museum, 9., Berggasse 19. Der faulste Wiener im Wertvollsten, was Wien hat, nun erst, im 41. Jahr seines hiesigen Siedelns! Kurz und elend: Eine ungemein kommunikative Taxifahrin führte Katalin und mich, in Summe saßen drei Personen mit langen Haaren im Taxi. Ich geb zum ersten Mal zu: Die Haare der beiden Frauen waren länger und SCHÖNER als die meinigen. Katalin hat traumschwarze Haare, die liebe Taxifahrin hatte blondes Haar und wusch es jeden Tag vielleicht. Während ja ich protze, es nie zu waschen, sondern nur mit Hirse und Haut-Haare-Nägel-Tabletten behandle, das heißt füttere.

Heute langweilte ich mich arg, bis mein Hirn zurückspulte, bis ich in der nächtlichen Wortfindungsstörung eintraf: Um Himmels willen, da gehen so viele an dir vorüber, und da kannst du doch fragen: "Wie heißt nur das Haus vor dem Haus Habsburg?“ Und ein Bursche hatte die Antwort sofort im Griff: "Die Babenberger.“ Ich hab natürlich, clever wie ich bin, den Reschesten, der vorbeiströmte, gefragt. Aus der Not eine Kommunikationstugend bewältigt. Das baute auch den Befragten auf, nicht nur mich.

Also als wir Langhaarigen in der Babenbergerstraße waren, stoppte unsere Taxifahrin vor der Ampel und sagte: "Sehen Sie die Skulptur des Selbstmörders am Dach da? Da erschrickst du, aber er bewegt und bewegt sich nicht, bis du dahinterkommst, dass es eine Figur ist, die so tut.“ "Angeblich“, sagte die Taxifahrin, "wohnt in diesem Haus der Alt-Finanzminister Grasser, der schaut so bildhübsch aus, dass ihn nun alle jagen müssen.“ Und tatsächlich finde nun ich wieder, Grasser könnte Dorian Gray sein, so federn seine Sprunggelenke.

Laut Matthäus sagt Jesus: Es kommt nicht auf eure schönen Worte an, sondern auf eure Taten. So mancher Papst zittert, in der Hölle zu braten. Dass ich nur einmal pro Jahr zur Kommunion geh, da denk ich mir ja was dabei, Duhsub, Päpste! Es gibt ja eh kein Jenseits, aber die Realität des Seins und die Worte der Bibel sind zu betrachten! Wir haben ja alle Informanten zur Stelle! Und die Päpste tun so, als wenn sie das einzige Lexikon wären! Wir sind im Fluss. "Wir“ starten das 20. Phettberg-Predigtdienstjahr.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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