Selbstversuch

In der Natur funktioniert Colour-Blocking nicht

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Was Gini B. letzte Woche lernte: "Wikipedia wird offensichtlich ausschließlich von Männern befüllt. Weder zu Colour-Blocking noch zu Godetfalte gibt’s einen Eintrag, dafür 100 Seiten zu Mortal Kombat.“ Das ist wahr wie bedauernswert, denn wenn in Wikipedia rechtzeitig zu lesen gewesen wäre, dass Colour-Blocking außerhalb von Fotos in Hochglanzmagazinen nicht funktioniert, wäre einem ein schriller und peinigender Auftritt in Pink und Rot erspart geblieben. Wo man zu Farben doch sowieso ein eher verhaltenes Verhältnis pflegt. Bitte: Colour-Blocking funktioniert, damit es wenigstens hier notiert sei, in der Natur nicht. Es sieht nur in den Laborsituationen von Fotos gut aus, vor neutralen oder blockenden oder ausgesucht dissonanten Hintergründen. Vor anderen Leuten, an Bars, bei Ausstellungseröffnungen, im Anzengruber und im Billa sehen lulligelbe Blusen zu yveskleinblauen Hosen und pinkfarbenen Pumps genau nur geschissen aus, außer an Anna Meyer.

Wir anderen können das einfach blind auslassen, so wie wir sonst auch jeden Dreckstrend ausgelassen haben, aber bei dem hier denkt sich eine wie wir kurz: ein guter Moment, um all die alte, in irgendeinem graugrauen Winter irrtümlich gekaufte Buntwäsche einmal gemeinsam auszuführen und damit gleich auch das Burnout oder was das war zu vertreiben, war’s wenigstens nicht umsonst hinausgeschmissenes Gerstl. Doch, war es. Jedenfalls für meinereiner. An Alfons Haider schaut das vielleicht gut aus, an mir nicht.

Das funktioniert übrigens, finde ich, das mit den tanzenden Männern. Weil man muss sich das jetzt aus den bekannten Gründen wieder anschauen, das "Dancing Stars“. Und so sehr einem Haider mit allem, was er tut und dem meisten, was er sagt, seit Jahrmillionen die Zehennägel aufrollt, so ehrlich muss man sagen: Wenn er die Pappn hält und einfach mit einem hübschen Kerl tanzt, kommt das richtig gut. Mir gefällt das, mit welcher Selbstverständlichkeit die sich angreifen, so wird im Fernsehen viel zu selten gegriffen, vor allem zwischen Menschen einerlei Geschlechts. Möglicherweise ist es ja ausgerechnet eine so völlig unnedige Show wie "Dancing Stars“, die diese Sorte Greifen und Berühren in die Normalität überführt. Obwohl: Normal ist dort nix, insofern (doch, halt, die Kleider schauen besser und weniger elektrisierend aus als früher) ist der Begriff "Normalität“ in diesem Kontext missbräuchlich verwendet. Egal, greifts weiter.

Traurige Nachricht der Woche: James Murphy hat LCD Soundsystem zugesperrt. Ein Grund, sich wieder einmal vom Gesamtwerk durchrütteln zu lassen. Für Anfänger: "Daft Punk is playing at my House“, "Get Innocuous!“ und "North American Scum“, nicht unter Lautstärke 12. Und, natürlich, immer und immer wieder: "All my Friends“. Nichts für Mädchen, btw. Zu LCD Soundsystem gibt’s übrigens einen Wikipedia-Eintrag: deshalb.


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