Fragen Sie Frau Andrea

Passivtelefonieren: Sie sind jetzt bitte kusch!

Kolumnen | aus FALTER 14/11 vom 06.04.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

man kann heutzutage kaum mehr auf der Straße gehen, ohne unfreiwillig Ohrenzeuge eines Handytelefonats zu werden. In der U-Bahn, im Bus oder in der Bim ist das Mithören wildfremder Gespräche nahezu unvermeidlich. Mich stört das sehr. Haben Sie irgendwelche Tricks auf Lager, wie man das abstellen kann?

Bettina Kindermann, Neubau,

per Gesichtsbuchdirektnachricht

Liebe Bettina,

das Mithören fremder und meist intimer Telefongespräche ist längst Teil des Konversationsrepertoires urbanen Lebens. Neben der Beschallung durch schlechte Musik gehört das passive Handyfonieren zu den großen akustischen Belästigungen unserer Zeit. Es gibt Abhilfe, liebe Bettina!

Je nach emotioneller Konstitution möchte ich drei Methoden zur Dezimierung unerfreulicher Fremdgespräche empfehlen, eine elektronische, eine gesprächstechnische und eine literaturdiplomatische. Nerds, Geeks und Technikfuzzis sollten den illegalen Kauf eines ebenso illegalen cell phone jammers, also eines Handy-Störsenders erwägen. Die Geräte dürfen weder gekauft noch betrieben werden, sind aber recht einfach im Internet zu bestellen und funktionieren sehr gut.

Nicht verboten ist das Mitreden. Ich selbst habe große Erfolge mit dieser Technik erzielt. Wenn man schon mithören muss, so mein Credo, soll man auch mitsprechen dürfen. Man darf, man soll. In der Lautstärke des Handyfonierenden, und durchaus über das gleiche Thema. Rhetorisch platzierte Fragen und Wiederholungen des Gehörten verstärken den Effekt. Man kann sich dazu das eigene Handy ans Ohr halten oder frei sprechen, wie es die großen Mimen tun.

Eine subtile und trefflich funktionierende Methode ist das wortlose Überreichen einer Konversationskarte an den Störenfried. In den USA sind solche hushing cards ein Renner. Die Society for Handheld Hushing etwa vertreibt die visitenkartengroßen Billets mit Texten wie: "Sie sollten wissen: Jeder hier muss Ihrem Gespräch zuhören“ oder "Die Welt ist laut. Sie machen es nicht besser.“ Deutschsprachige Karten mit einschlägigen Aufforderungen, das Gespräch zu beenden, jetzt also bitte kusch zu sein, wolle man auf http://bureau.comandantina.com/archivos/2011/04/psst.php beziehen.


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